Ökumenischer Gottesdienst zum Marktsonntag

Marktgottesdienst
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Der Wendelinusmarkt in Amorbach fiel dieses Jahr aus, der ökumenische Gottesdienst zum Marktsonntag fand aber mit Pastoralreferentin Walburga Ganz und Pfarrerin Marie Sunder- Plassmann statt. In der großen Kirche konnten sich die Besucher gut mit großem Abstand zueinander verteilen.
Das Evangelium, das Nelli Baumann las, beschrieb eine Situation, in der Jesus wütend wurde. Er trieb die Händler aus dem Tempel, so dass die Tische umfielen, und den Wechslern schüttete er das Geld aus. Signalisierte er damit, dass Handel unheilig sei und man in einem Gottesdienst nicht über Handel reden dürfe? Die beiden Liturginnen kamen zum Schluss, dass es auch bedeuten könne, dass das Wirtschaftsleben sich unterordnen soll unter Wertvorstellungen. Und die Kirche sei der richtige Ort, um dies zu diskutieren:
mit dem Konsum von bestimmten Produkten beeinflussen wir Handelswege und Produktionsbedingungen. Für Waren, die in Billiglohnländern hergestellt werden, tragen wir Verantwortung für die Arbeits- und Lebensbedingungen dort. Die von Jesus geforderte Nächstenliebe höre in der Welt der Globalisierung nicht am Stadtrand auf, sondern gelte allen Menschen, mit denen wir verbunden sind, auch den Fabrikarbeitern, die in z.B. Bangladesch unsere Kleider nähen. In der Infektionsschutzzeit waren manche Lieferketten unterbrochen. Das zeigt, dass auch eine regionale Selbstversorgung aufrechterhalten werden muss. Regionale Produkte aus einer Hand oder von einem Hof zu kaufen, fördert bei uns selbst und auch in den Billiglohnländern diese Autonomie und verhindert unökologische Transportkosten.
 Ein besonderer Teil des Gottesdienstes war der Beitrag von Sabrina Leuner- Hauck, Mit- Unternehmerin und Mitarbeiterin der Metzgerei Hauck und Mutter kleiner Kinder. Mit Eindringlichkeit schilderte sie, stellvertretend für viele im Einzelhandel, wie sie in Betrieb und in der Familie die Infektionsschutzzeit erlebte, wieviel Zusätzliches organisiert und bedacht werden musste: „Plötzlich haben ganz viele Menschen Dauerwurst und in der Metzgerei gekochtes Essen gekauft.“ Andererseits fiel die Bewirtung von Veranstaltungen aus, wie zum Beispiel der Wendelinusmarkt, weshalb ihr Mann und die Kinder dieses Wochenende für eine Papa- Söhne- Reise nutzen. An die Sicherheit von Kunden und Mitarbeiterinnen musste gedacht werden, bis hin zum Aufstellen des Regenschutzzeltes vor der Metzgerei für die Leute, die draußen warten, damit es nicht zu voll im Geschäft wird. Zusätzlich zur belastenden Arbeit mussten die Kinder, die nicht in den Kindergarten gehen konnten, betreut werden. Erst mittags konnte sich die Mutter um die Kinder kümmern, da waren sie manchmal noch im Schlafanzug. Andererseits gab es in dieser Zeit Frei- und Ruhezeiten für die Familie, die sie schon lange nicht mehr hatten. Auch Frau Leuner- Hauck beendete ihren Bericht mit dem Appell, die Selbstversorgungs-möglichkeit einer Region zu erhalten, indem man regionale und ökologisch hergestellte Produkte einkauft.                             MSPlm