Hirtinnenwort: Vom Warten

Wir warten.

Auf ein Ende der Pandemie, auf einen Impftermin, auf den Frühling, auf einen Kanzlerkandidaten, wir harren aus. Dem Beter des 37. Psalms ging es ebenso. Seine Bedrängnis, auf deren Ende er wartet, ist nicht eine Pandemie, es sind Feinde , die ihm das Leben schwer machen.

Wir warten. -  Es gibt ja das berühmte Theaterstück des Existentialismus von Samuel Becket, „Warten auf Godot.“ Da ist das Warten als sinnlos dargestellt. Godot kommt nicht und wird nicht kommen, es ist sinnlos, ihn überhaupt zu erwarten.

Im Psalm ist das Warten nicht sinnlos, obwohl auch nicht klar ist, ob das eintreten wird, was erwartet wird. Im Psalm ist das Warten als Glaubensübung beschrieben. Ausharren ist da etwas ganz Komplexes, etwas Sinn- und Hoffnungsvolles.

Wenn wir unser Warten in Gott verrichten, dann ist es eine nützliche Tätigkeit und keine verlorene Zeit. Wir können gerade nichts tun und nichts ändern am Lauf der Dinge, aber wir können das Warten auf bessere Zeiten zu einem Gebet werden lassen und uns zubeten, wie der Psalmbeter spricht: „Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, sei stille dem HERRN und warte auf ihn und er wird’s wohl machen.“

Frohe Ostern, Ihre Pfarrerin Marie Sunder- Plassmann