Hirtinnenwort zu politischem Engagement

Hirtinnenwort

 

Der Psalm 91 beginnt so: Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

Im Psalm ist dann weiter beschrieben, wir gut Gott uns schützt. Unter dem Schirm des Höchsten und unter dem Schatten des Allmächtigen Gottes ist gut sein, unter Gottes Regenschirm und unter Gottes Sonnenschirm, so könnte man sagen. Wenn es regnet, und wir keinen Schirm haben, werden wir erst nass und dann meistens kalt, und es geht nicht weiter.

Der  Schirm ändert nichts am Wetter, aber er bewahrt uns vor seinen Folgen. Deshalb ist der Schirm ein guter Vergleich für den Schutz, den Gott uns gewährt. In Schwierigkeiten kann auch ein sehr religiöser Mensch kommen, aber seine Gottesverbundenheit bewahrt seine Seele vor Kummer und Verzweiflung.

Allerdings sind Regenschirm und Sonnenschirm ja nicht das gleiche. Die Sonne ist ja eher etwas Erfreuliches. Wenn sie scheint, nennen wir das Wetter gut. Deshalb ist ein Sonnenschirm nicht so ein gutes Symbol wie ein Regenschirm. Das war in Israel anders, als der Psalmbeter diesen Psalm verfasst hat und ist jetzt dort noch anders. Die Sonne kann unerbittlich brennen.

Und zurzeit ändert sich das auch bei uns. Viele Leute haben dieses Jahr zeitweise ganz schön unter der Sommerhitze gelitten. Der Klimawandel ist in aller Munde. Und laut Prognose ist das erst der Anfang einer Veränderung, die den Menschen auf der Erde noch große Probleme verursachen könnte. Es wird wärmer und wärmer werden, und wir müssen etwas dagegen unternehmen.

Aber da genau könnte man sagen, dass ein Schirm, und sei es der Schirm des Höchsten, nicht das richtige Mittel ist, um etwas zu verändern. Ein Schirm schützt und bewahrt einen, aber ändern tut er nichts. Ein Sonnenschirm kann einen einzelnen vor der Sonne schützen, aber er hilft ja nicht gegen den Klimawandel. Ist es nicht auch so mit Gottes Schutz. Er macht uns ein heimeliges Gefühl, aber am Lauf der  Welt ändert er nichts.

Es ist so: wir selbst müssen die Welt ändern. So, dass sie Gott gefällt. So dass Gerechtigkeit herrscht, so dass Menschen einander helfen, so dass keine Menschen schlecht behandelt werden, verfolgt werden, Hunger haben oder im Krieg leben müssen. Und so, dass es keinen Klimawandel gibt.

Oft waren es Christen oder andere religiöse Menschen, die die Welt veränderten. Und das hat seinen Grund, so glaube ich, in diesem Gefühl des Beschütztseins.

Christen können mutig sein, weil sie wissen, der Kern ihres Wesens wird nicht verletzt, wenn sie sich weit aus dem Fenster lehnen in einem bestimmten Engagement, und sich damit Gefahren aussetzen.

Ihre Pfarrerin Marie Sunder- Plassmann