Gottesdienst zum Reformationstag und Allerheiligenvorabend

Ökumenische Ereignisse

Die Liebe schaut nicht auf die Konfession

Die Tren­nung der bei­den gro­ßen christ­li­chen Kir­chen er­le­ben be­son­ders Paa­re un­ter­schied­li­cher Kon­fes­si­on als sch­merz­lich. Ein gemeinsamer Gottesdienst der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden des Landkreises Miltenberg zum Allerheiligenvorabend und zum Reformationstag in der Abteikirche in Amorbach hat dies in den Mittelpunkt gestellt.

Amorbachs evangelische Pfarrerin Marie Sunder-Plassmann würdigte schon in ihrer Begrüßung die Ehepaare verschiedener Konfession, »die sonntags nicht zusammen in ihre gemeinsame Kirche gehen können«. An diesem Abend konnten sie es, und im Eingangsteil des Gottesdienstes kamen ihre Erlebnisse mit den Grenzen, die diese Konfessionsverschiedenheit schon mit sich gebracht hat, zur Sprache. Zu dem besonderen Gottesdienst hatten die Kirchengemeinden gut 1000 konfessionsverschiedene Paare schriftlich eingeladen.

Talkrunde hinter dem Altar

In einer Talkrunde, auf Sofas und Sesseln erhöht hinter dem Altar, tauschten vier Personen, die in gemischtkonfessionellen Ehen leben, ihre Erfahrungen aus, als Talkmaster fungierten Dekan Prokschi und Vikar Baust. Schmerzliche Ausgrenzungserfahrung und hoffnungsvolle Konfessionsverbindungen wurden benannt. Pastoralreferentin Kerstin Gerlach legte dazu das Johannesevangelium aus: Zwei Menschen würden von der Liebe zueinander geführt. Diese Liebe schaue nicht auf die Konfession. Die konfessionsverschiedenen Ehepartner hätten deutliche Zeichen gesetzt, dass Einheit möglich sein könne. Der Gottesdienst wurde dann, nach den Fürbitten für die Einheit der Christen, von Pfarrerin Sunder-Plassmann hochliturgisch weitergeführt, und manche wunderten sich in diesem Gottesdienst, wie ähnlich sich katholischer und evangelischer Gottesdienst sind. Für die musikalische Gestaltung sorgten die Band »Rejoice« aus Miltenberg und Ale?xander Huhn spielte an der Stummorgel große Orgelliteratur.

Beim Empfang in »Grünen Saal« der Abtei erzählte Andreas Fürst zu Leiningen, dass auch in der fürstlichen Familie die seit Luthers Zeiten währende evangelische Tradition nun mit der katholischen Ehefrau seines Sohnes Herrmanns bereichert worden sei. Nun waren alle neugierig, wie dann wohl sein neuer Enkel, der kleine Prinz Leopold, getauft werden würde. Amorbachs Bürgermeister Peter Schmitt, der selbst in einer konfessionsverbindenden Ehe lebt, sprach in seiner Rede dann das aus, was im Rahmen des Gottesdienstes so nicht gesagt werden konnte, aber allen auf der Seele lag: Es ist Zeit, dass die Ehepaare und überhaupt alle evangelischen und katholischen Christen gemeinsam zum Abendmahl gehen dürfen.

Gemeinsames Abendmahl

Bürgermeister Schmitt berichtete, dass der neue Würzburger Bischof Jung bei einem Ehejubiläumsgottesdienste die evangelischen Ehepartner zur Eucharistie eingeladen habe. »So hoffen wir alle in absehbarer Zeit auf ein gemeinsames Abendmahl für gemischt konfessionelle Paare«, beendete Amorbachs Bürgermeister seine Rede. Ein reger Austausch zwischen den vielen aktiven Christen aus den verschiedenen Kirchengemeinden des Landkreises schloss sich an bei kulinarischen Köstlichkeiten aus Schenks Gasthof.                                                                                                   MSPlm