Beitrag der Pfarrerin zum Totengedenken am Volkstrauertag:

 

In den Seligpreisungen der Bibel, einem Herzstück der christlichen Botschaft, werden die Barmherzigen, Sanftmütigen und die Friedenstiftenden selig gepriesen. Diese Seligpreisungen sind nicht nur individuelle Lebensratschläge. Heutzutage. in einer Zeit, wo das Volk der Souverän des Staates ist, summieren sich all unsere Lebenseinstellungen zur großen Politik. Politik ist für den normalen Staatsbürger nicht mehr Schicksal, wie bis ins 19. Jahrhundert hinein, Politik besteht aus unser aller ethischen Entscheidungen. Wir können entscheiden, ob wir sanftmütig daher kommen und Sanftmütige als Abgeordnete wählen. Ob wir gerecht sind und Menschen wählen, die wissen, dass Ausgleich und Rücksicht Gerechtigkeit schaffen. Ob wir friedlich sind und Frieden stiften.  Wir können es für uns entscheiden, und es ist immer auch eine politische Entscheidung, weil wir Souverän des Staates sind.

Das waren auch die Menschen in Deutschlands von 1918 bis 1933, und nicht das Schicksal, sondern die Wahl von 1933 war schuld am 2. Weltkrieg und an den Toten. Wäre eine andere Partei gewählt worden, dann hätte es diesen mörderischen Krieg wahrscheinlich nicht gegeben. Es sind Menschen, die Krieg machen, oder eben Frieden. Es sind die Nationalisten und Großsprecher, die jetzt schon in einigen Ländern der Welt das Sagen haben, die den Frieden gefährden, und-  es sind ihre Wähler.

Vor 30 Jahren ist die Mauer des gespaltenen Deutschlands gefallen. Für viele war es unfassbar, dass das ohne Gewalt und Krieg geschehen ist. Es war kein Zufall, dass der Anfang dieser friedlichen Revolution in den Kirchen stattfand. Den Geist des Friedens haben die Aktivisten von dort mitgenommen.

Jetzt ist wieder von einem gespaltenen Deutschland die Rede. Heftige Meinungen über die Asylpolitik oder die Klimapolitik prallen aufeinander. 

In einer Talkshow unterschied ein Gast die Worte Meinung und Einstellung. Das Christentum, aber auch eine allgemein humanistische Weltanschauung sind geeignete Grundlagen, dass es nicht das wichtige ist, eine immer eine eigene, pointierte, heftige, kritische, polemische und damit polarisierende Meinung zu haben. Das wichtige ist, informiert zu sein und eine innere Einstellung der Sanftmütigkeit, Friedlichkeit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu haben. Das ist der größte Garant für Ausgewogenheit und Frieden. Eine solche Einstellung, die unserer Meinung unterlegt ist, ist das, was sich nicht so schnell täuschen und manipulieren lässt, und was dem Frieden dient. MSPm